October 1, 2026
Host
Willkommen zu unserer Prüfungsvorbereitung für die Notfallsanitäterprüfung. Ich stelle dir gleich eine Frage, und du hast kurz Zeit, deine eigene Antwort zu formulieren. Wir beginnen.
Guest
Danke, ich bin bereit und gespannt.
Host
Definieren Sie die Begriffe Großschadenslage und Katastrophe.
Guest
Bei einer Großschadenslage sind Leben oder Gesundheit zahlreicher Menschen gefährdet und die regulär verfügbaren Kräfte und Mittel reichen zur Bewältigung zunächst nicht aus. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Schadensereignis und verfügbaren Ressourcen. Eine Katastrophe ist ein außergewöhnliches Schadensereignis, dessen Bewältigung eine besondere behördenübergreifende Gefahrenabwehrorganisation erfordert. Sie geht organisatorisch deutlich über einen normalen rettungsdienstlichen Einsatz hinaus.
Host
Gut, das ist klar abgegrenzt. Nächste Frage: Wofür steht die Abkürzung MANV und was versteht man darunter?
Guest
MANV bedeutet Massenanfall von Verletzten beziehungsweise Erkrankten. Dabei übersteigt die Anzahl oder der Versorgungsbedarf der Patienten zunächst die regulär verfügbaren rettungsdienstlichen Ressourcen. Deshalb muss von der Individualversorgung auf eine strukturierte Versorgung vieler Patienten umgestellt werden.
Host
Welche Aufgaben hat das ersteintreffende Rettungsmittel bei einem MANV?
Guest
Zunächst erfolgt eine Rückmeldung auf Sicht an die Leitstelle. Danach beachte ich Eigenschutz und Gefahren, erkunde die Lage und verschaffe mir einen Überblick über Art und Ausmaß des Ereignisses sowie die ungefähre Anzahl der Betroffenen. Ich beginne nicht mit einer umfangreichen Individualversorgung eines einzelnen Patienten, sondern schaffe Führungs- und Organisationsstrukturen. Dazu gehören eine qualifizierte Rückmeldung, Nachforderung von Kräften, Raumordnung, Freihalten der Anfahrtswege, Organisation der Patientenablage und die strukturierte Sichtung beziehungsweise Vorsichtung entsprechend den örtlichen Vorgaben.
Host
Das klingt nach einem klaren Ablauf. Was ist ein Bereitstellungsraum?
Guest
Der Bereitstellungsraum ist ein festgelegter Bereich außerhalb des unmittelbaren Einsatzgeschehens, in dem nachrückende Einsatzkräfte und Einsatzmittel gesammelt, registriert und geordnet bereitgehalten werden. Von dort werden sie entsprechend dem tatsächlichen Bedarf abgerufen und eingesetzt.
Host
Nennen Sie ein Schema zur Erkennung von Gefahren an einer Einsatzstelle und erläutern Sie es.
Guest
Ich kann die Gefahrenmatrix 4A-1C-4E verwenden. Die vier A stehen für Atemgifte, Angstreaktion, Ausbreitung und atomare beziehungsweise radiologische Gefahren. Das C steht für chemische Gefahren. Die vier E stehen für Explosion, Einsturz, Elektrizität und Erkrankung beziehungsweise Verletzung. Das Schema hilft mir, Gefahren systematisch zu erkennen und den Eigenschutz zu gewährleisten.
Host
Sehr systematisch. Nennen Sie die Sichtungskategorien bei einem MANV.
Guest
Sichtungskategorie eins, Rot, bedeutet sofortige Behandlung bei akuter vitaler Gefährdung. Sichtungskategorie zwei, Gelb, bedeutet dringende Behandlung. Sichtungskategorie drei, Grün, bedeutet nicht dringende beziehungsweise nachgeordnete Behandlung bei leicht Verletzten. Sichtungskategorie vier, Blau, kennzeichnet Patienten, bei denen unter den Bedingungen der konkreten Lage eine abwartende beziehungsweise palliative Versorgung erfolgt. Schwarz kennzeichnet Verstorbene. Die konkrete Anwendung richtet sich nach dem jeweiligen Sichtungskonzept und der Einsatzlage.
Host
Beschreiben Sie den Führungsvorgang nach Feuerwehr-Dienstvorschrift 100.
Guest
Der Führungsvorgang besteht aus Lagefeststellung, Planung und Befehlsgebung. Die Lagefeststellung umfasst Erkundung und Kontrolle. In der Planung wird die Lage beurteilt und daraus ein Entschluss gefasst. Anschließend erfolgt die Befehlsgebung. Danach beginnt der Kreislauf erneut mit der Kontrolle und erneuten Lagefeststellung.
Host
Ein schöner Kreislauf. Beschreiben Sie den PDCA-Zyklus.
Guest
PDCA steht für Plan, Do, Check und Act. Bei Plan wird das Problem analysiert und eine Verbesserung geplant. Bei Do wird die geplante Maßnahme umgesetzt. Bei Check überprüfe ich, ob die Maßnahme den gewünschten Erfolg gebracht hat. Bei Act wird eine erfolgreiche Lösung standardisiert beziehungsweise implementiert. War sie nicht erfolgreich, wird der Zyklus erneut durchlaufen.
Host
Nennen und erläutern Sie die drei Qualitätsdimensionen.
Guest
Strukturqualität, Prozessqualität und Ergebnisqualität. Strukturqualität beschreibt die vorhandenen Voraussetzungen und Ressourcen, zum Beispiel Personal, Qualifikation, Fahrzeuge und Material. Prozessqualität beschreibt, wie eine Leistung durchgeführt wird. Ergebnisqualität beschreibt das Resultat dieser Prozesse, beispielsweise das Behandlungsergebnis. Kurz gesagt: Was habe ich? Wie mache ich es? Und was kommt dabei heraus?
Host
Diese Merksätze sind hilfreich. Unterscheiden Sie Effizienz und Effektivität.
Guest
Effektivität bedeutet, die richtigen Dinge zu tun und beschreibt den Grad der Zielerreichung. Effizienz bedeutet, die Dinge richtig zu tun und beschreibt das Verhältnis zwischen eingesetzten Ressourcen und erreichtem Ergebnis.
Host
Erstellen Sie ein Instrument zur Erhebung der Kundenzufriedenheit in Ihrem Rettungsdienstbereich.
Guest
Als Instrument eignet sich ein standardisierter und möglichst anonymisierter Patientenfragebogen. Abgefragt werden können Sauberkeit und Hygiene des Rettungsmittels, Auftreten und Dienstkleidung des Personals, Kommunikation und Empathie, Wahrung der Privatsphäre, Berücksichtigung von Bedürfnissen wie Wärme oder Licht, Komfort während des Transportes, verständliche Informationen über Maßnahmen sowie der Umgang mit Angehörigen und anderen Berufsgruppen. Zusätzlich sollte eine standardisierte Bewertungsskala und die Möglichkeit für Freitext vorgesehen werden.
Host
Das ist umfassend. Beschreiben Sie das Primary Survey nach X-ABCDE.
Guest
X steht für unmittelbar lebensbedrohliche äußere Blutungen. Diese werden sofort erkannt und kontrolliert. A steht für Airway. Ich beurteile und sichere die Atemwege und berücksichtige beim Trauma eine mögliche Verletzung der Halswirbelsäule. B steht für Breathing. Ich untersuche Ventilation und Oxygenierung anhand von Atemfrequenz, Atemtiefe, Thoraxbewegungen, Auskultation, SpO₂ und klinischen Zeichen. C steht für Circulation. Ich beurteile Puls, Blutdruck, Rekapillarisierungszeit, Haut und mögliche Blutungsquellen beziehungsweise Blutungsräume. D steht für Disability. Ich untersuche den neurologischen Zustand, zum Beispiel Bewusstsein, GCS oder AVPU, Pupillen und Blutzucker. E steht für Exposure beziehungsweise Environment. Der Patient wird ausreichend untersucht, vor Auskühlung geschützt und weitere Verletzungen werden erkannt. Entscheidend ist: Eine lebensbedrohliche Störung wird behandelt, sobald ich sie erkenne, bevor ich im Schema weitergehe.
Host
Was beinhaltet das Secondary Survey?
Guest
Nach Behandlung unmittelbar lebensbedrohlicher Probleme erfolgt eine erneute strukturierte Untersuchung. Dazu gehören eine vollständige körperliche Untersuchung von Kopf bis Fuß, erneute Vitalparameter, SAMPLE-Anamnese und je nach Situation OPQRST beziehungsweise weitere gezielte Diagnostik. Bei einem zeitkritischen Traumapatienten darf das Secondary Survey den Transport in ein geeignetes Traumazentrum nicht unnötig verzögern.
Host
Wichtig, dass der Transport nicht leidet. Was verstehen Sie unter Load and Go?
Guest
Load and Go bedeutet, dass ein Patient eine definitive Therapie benötigt, die präklinisch nicht durchgeführt werden kann. Deshalb werden vor Ort nur unmittelbar lebensrettende und transportnotwendige Maßnahmen durchgeführt und anschließend erfolgt schnellstmöglich der Transport in eine geeignete Zielklinik. Weitere Maßnahmen werden, soweit möglich und sicher, während des Transportes durchgeführt.
Host
Was versteht man unter der letalen Trias beim schweren Trauma?
Guest
Die klassische letale Trias besteht aus Hypothermie, Azidose und Koagulopathie. Die drei Faktoren verstärken sich gegenseitig. Blutverlust führt zu Minderperfusion und Azidose. Auskühlung und Azidose beeinträchtigen die Gerinnung. Eine schlechtere Gerinnung verstärkt wiederum die Blutung. Deshalb sind Blutungskontrolle, Wärmeerhalt, Vermeidung unnötiger kristalloider Volumengaben und eine schnelle definitive Versorgung entscheidend.
Host
Ein Teufelskreis. Wie wird das Schädel-Hirn-Trauma anhand der Glasgow Coma Scale eingeteilt?
Guest
Leichtes SHT: GCS 13 bis 15. Mittelschweres SHT: GCS 9 bis 12. Schweres SHT: GCS 3 bis 8. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Medikamente, Intoxikationen, Hypoxie oder andere Faktoren die GCS beeinflussen können.
Host
Nennen Sie Zeichen eines kritisch erhöhten intrakraniellen Drucks.
Guest
Mögliche Zeichen sind eine zunehmende Bewusstseinsstörung, Pupillendifferenz beziehungsweise pathologische Pupillenreaktion, fokal-neurologische Ausfälle und pathologische Atemmuster. Als spätes Warnzeichen kann die Cushing-Trias auftreten: arterielle Hypertonie, Bradykardie und unregelmäßige Atmung.
Host
Erklären Sie die Entstehung einer Anisokorie bei erhöhtem Hirndruck.
Guest
Bei steigendem intrakraniellen Druck kann es zur Verlagerung beziehungsweise Einklemmung von Hirngewebe kommen. Dabei können parasympathische Fasern des Nervus oculomotorius komprimiert werden. Dadurch fällt die parasympathisch vermittelte Pupillenverengung auf der betroffenen Seite aus. Es kann eine einseitig erweiterte und lichtträge beziehungsweise lichtstarre Pupille entstehen.
Host
Wofür stehen die Abkürzungen ICB und SAB?
Guest
ICB steht für intrazerebrale Blutung. Dabei befindet sich die Blutung im Hirngewebe. SAB steht für Subarachnoidalblutung. Dabei befindet sich Blut im Subarachnoidalraum zwischen Arachnoidea und Pia mater.
Host
Was ist eine Broca-Aphasie?
Guest
Die Broca-Aphasie ist eine überwiegend expressive Sprachstörung. Die Patienten wissen häufig, was sie sagen möchten, können Sprache aber nur mühsam produzieren. Typisch sind langsame, stockende Sprache, kurze Sätze und sogenannter Telegrammstil. Das Sprachverständnis kann vergleichsweise besser erhalten sein.
Host
Kommen wir zu den medizinischen Notfällen. Beschreiben Sie die Pathophysiologie eines Schocks.
Guest
Ein Schock ist ein akutes Kreislaufversagen mit unzureichender Sauerstoffversorgung des Gewebes. Durch vermindertes Sauerstoffangebot beziehungsweise gestörte Sauerstoffverwertung reicht die aerobe Energiegewinnung nicht mehr aus. Zellen weichen zunehmend auf anaeroben Stoffwechsel aus, wodurch unter anderem Laktat entsteht. Der Organismus kompensiert zunächst durch Sympathikusaktivierung mit Tachykardie und peripherer Vasokonstriktion. Dadurch wird Blut zugunsten lebenswichtiger Organe zentralisiert. Bei anhaltendem Schock versagen diese Kompensationsmechanismen. Mikrozirkulation und Zellfunktion verschlechtern sich weiter. Es entstehen Azidose, Endothelschäden und Organdysfunktionen bis hin zum Multiorganversagen.
Host
Sehr ausführlich. Beschreiben Sie die Pathophysiologie einer Anaphylaxie.
Guest
Bei der Anaphylaxie kommt es zu einer akuten systemischen Freisetzung von Mediatoren wie Histamin aus Mastzellen und basophilen Granulozyten. Diese Mediatoren verursachen Vasodilatation und eine erhöhte Gefäßpermeabilität. Flüssigkeit tritt aus dem Intravasalraum ins Interstitium aus. Dadurch sinken venöser Rückstrom, Vorlast und Blutdruck. Gleichzeitig können Schleimhautödeme der oberen Atemwege und eine Bronchokonstriktion entstehen. Dadurch drohen sowohl ein distributiver Schock als auch eine schwere respiratorische Insuffizienz.
Host
Erklären Sie die pathophysiologische Entstehung eines kardialen Lungenödems.
Guest
Beim akuten Linksherzversagen kann der linke Ventrikel das angebotene Blut nicht ausreichend weiterpumpen. Dadurch steigt der Druck rückwärts über den linken Vorhof bis in die Lungenvenen und Lungenkapillaren. Überschreitet der hydrostatische Druck die kompensatorischen Mechanismen, tritt Flüssigkeit zunächst in das pulmonale Interstitium und anschließend in die Alveolen über. Dadurch nimmt die Diffusionsstrecke für Sauerstoff zu, die Lungencompliance sinkt und der Gasaustausch wird beeinträchtigt. Klinisch entstehen Dyspnoe, Hypoxämie und häufig feuchte Rasselgeräusche.
Host
Beschreiben Sie die Pathophysiologie eines hypertensiven Notfalls.
Guest
Beim hypertensiven Notfall führt eine ausgeprägte Blutdruckerhöhung zu einer Überforderung der vaskulären Autoregulation und zu einer akuten Endorganschädigung. Der hohe Gefäßdruck schädigt das Endothel und die Mikrozirkulation. Es können eine gesteigerte Gefäßpermeabilität, Ödeme, weitere Vasokonstriktion und Durchblutungsstörungen entstehen. Betroffen sein können beispielsweise Gehirn, Herz, Aorta und Nieren. Klinische Folgen können hypertensive Enzephalopathie, akute Herzinsuffizienz mit Lungenödem, ACS oder ein akutes Aortensyndrom sein.
Host
Beschreiben Sie die Pathophysiologie eines epileptischen Krampfanfalls.
Guest
Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine vorübergehende pathologisch übermäßige und synchronisierte elektrische Aktivität von Nervenzellverbänden. Vereinfacht besteht ein Ungleichgewicht zwischen neuronaler Erregung und Hemmung. Die elektrische Aktivität kann fokal begrenzt bleiben oder sich auf größere Hirnareale ausbreiten. Beim generalisierten tonisch-klonischen Anfall führt dies zunächst zu tonischer und anschließend zu klonischer Muskelaktivität. Gleichzeitig steigen Sauerstoff- und Energiebedarf. Atemstörungen können zusätzlich Hypoxämie und CO₂-Anstieg verursachen. Hält die epileptische Aktivität länger an, steigt die Gefahr eines Status epilepticus und sekundärer neurologischer sowie systemischer Schäden.
Host
Beschreiben Sie die Pathophysiologie der Sepsis.
Guest
Bei einer Sepsis führt eine fehlregulierte Reaktion des Organismus auf eine Infektion zu lebensbedrohlicher Organdysfunktion. Entzündungsmediatoren verursachen unter anderem Endothelschädigung, Vasodilatation und eine erhöhte Gefäßpermeabilität. Flüssigkeit tritt ins Interstitium aus, während der systemische Gefäßwiderstand sinkt. Gleichzeitig wird das Gerinnungssystem aktiviert. Mikrothromben können die Mikrozirkulation zusätzlich beeinträchtigen. Es entstehen eine gestörte Gewebeperfusion, Störungen der zellulären Sauerstoffverwertung und schließlich Organdysfunktionen. Im weiteren Verlauf können septischer Schock und Multiorganversagen entstehen.
Host
Nennen Sie die drei qSOFA-Kriterien.
Guest
Atemfrequenz von mindestens 22 pro Minute, systolischer Blutdruck von höchstens 100 Millimeter Quecksilbersäule und veränderte Vigilanz. Für jedes Kriterium gibt es einen Punkt. Zwei oder mehr Punkte weisen bei vermuteter Infektion auf ein erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Verlauf hin. qSOFA allein stellt jedoch keine Sepsisdiagnose.
Host
Aber qSOFA allein ist ja keine Diagnose, sondern nur ein Risikomarker. Würden Sie dem zustimmen, oder sehen Sie das anders?
Guest
Da stimme ich vollkommen zu. qSOFA ist ein schnelles Screening-Instrument, aber es ersetzt keine klinische Beurteilung. Eine Sepsis kann auch bei niedrigem qSOFA vorliegen, und umgekehrt kann ein hoher qSOFA andere Ursachen haben. Deshalb muss immer der Gesamtkontext betrachtet werden.
Host
Gut, dass wir das klargestellt haben. Weiter mit Atmung und Beatmung: Wofür steht CPAP und wie funktioniert es?
Guest
CPAP bedeutet Continuous Positive Airway Pressure. Der spontan atmende Patient erhält während des gesamten Atemzyklus einen kontinuierlich positiven Atemwegsdruck. Dadurch können kollapsgefährdete Alveolen offengehalten beziehungsweise rekrutiert, die funktionelle Residualkapazität verbessert und die Atemarbeit reduziert werden.
Host
Was ist der Unterschied zwischen CPAP und CPAP plus ASB?
Guest
Bei CPAP besteht ein kontinuierliches positives Druckniveau während der Spontanatmung. Bei CPAP plus ASB erhält der Patient zusätzlich bei jeder erkannten Inspiration eine inspiratorische Druckunterstützung. Dadurch wird insbesondere die Atemarbeit weiter reduziert.
Host
Nennen Sie wichtige Gründe, eine NIV-Therapie abzubrechen beziehungsweise zu eskalieren.
Guest
Zum Beispiel zunehmende Bewusstseinsstörung mit fehlender Schutzreflexsicherheit, Erbrechen beziehungsweise hohe Aspirationsgefahr, fehlende Spontanatmung, zunehmende respiratorische Erschöpfung, zunehmende hämodynamische Instabilität, nicht beherrschbare Atemwegsprobleme oder fehlende Toleranz der Maske. Entscheidend ist immer die klinische Entwicklung des Patienten.
Host
Wann ist eine Thoraxentlastungspunktion indiziert?
Guest
Bei einem klinisch diagnostizierten Spannungspneumothorax mit zunehmender respiratorischer und hämodynamischer Instabilität. Es handelt sich um eine zeitkritische lebensrettende Maßnahme. Die definitive Versorgung erfolgt anschließend durch eine geeignete Thoraxdrainage beziehungsweise chirurgische Entlastung.
Host
Warum kann bei einer Kohlenmonoxidvergiftung trotz schwerer Vergiftung eine normale SpO₂ angezeigt werden?
Guest
Ein normales Zwei-Wellenlängen-Pulsoximeter kann Carboxyhämoglobin nicht zuverlässig von Oxyhämoglobin unterscheiden. Dadurch kann die angezeigte SpO₂ fälschlich normal oder hoch erscheinen. Eine normale SpO₂ schließt eine Kohlenmonoxidvergiftung deshalb nicht aus.
Host
Kommen wir zur Pharmakologie. Definieren Sie Pharmakodynamik und Pharmakokinetik.
Guest
Pharmakodynamik beschreibt, was ein Arzneimittel mit dem Körper macht – also insbesondere Wirkung und Wirkmechanismus. Pharmakokinetik beschreibt, was der Körper mit dem Arzneimittel macht. Hierfür kann ich LADME verwenden: Liberation, Absorption, Distribution, Metabolismus und Exkretion.
Host
Beschreiben Sie den Wirkmechanismus von Epinephrin.
Guest
Epinephrin ist ein direktes Sympathomimetikum und stimuliert Alpha- und Beta-Adrenozeptoren. Alpha-1 führt insbesondere zur Vasokonstriktion. Beta-1 steigert Herzfrequenz, Erregungsleitung und Kontraktilität. Beta-2 bewirkt unter anderem Bronchodilatation. Dadurch erklärt sich der Einsatz beispielsweise bei Reanimation und Anaphylaxie.
Host
Welche wichtige Medikamentengruppe müssen Sie vor der Gabe eines Nitrats gezielt erfragen?
Guest
PDE-5-Hemmer, also Phosphodiesterase-5-Hemmer. Dazu gehören beispielsweise Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Die Kombination mit Nitraten kann zu einem gefährlichen Blutdruckabfall führen.
Host
Beschreiben Sie den Wirkmechanismus von Furosemid.
Guest
Furosemid ist ein Schleifendiuretikum. Es hemmt im dicken aufsteigenden Teil der Henle-Schleife den Natrium-Kalium-Zwei-Chlorid-Cotransporter. Dadurch werden insbesondere Natrium und Chlorid sowie nachfolgend Wasser vermehrt ausgeschieden. Es entsteht eine ausgeprägte Diurese.
Host
Beschreiben Sie den Wirkmechanismus von Urapidil.
Guest
Urapidil blockiert peripher vor allem postsynaptische Alpha-1-Adrenozeptoren. Dadurch sinkt der periphere Gefäßwiderstand. Zusätzlich wirkt es zentral über serotonerge 5-HT1A-Rezeptoren und vermindert den Sympathikustonus. Dadurch wird der Blutdruck gesenkt, ohne typischerweise eine ausgeprägte Reflextachykardie auszulösen.
Host
Was ist Myasthenia gravis?
Guest
Myasthenia gravis ist eine autoimmune Störung der neuromuskulären Signalübertragung. Antikörper richten sich gegen Strukturen der postsynaptischen motorischen Endplatte, häufig gegen Acetylcholinrezeptoren. Dadurch wird die neuromuskuläre Übertragung beeinträchtigt und es entsteht eine belastungsabhängige Muskelschwäche.
Host
Nun zum Recht. Unter welchen Voraussetzungen ist eine medizinische Maßnahme rechtmäßig, obwohl sie grundsätzlich den Tatbestand einer Körperverletzung erfüllen kann?
Guest
Grundsätzlich benötige ich eine medizinische Indikation und eine wirksame Einwilligung des ausreichend aufgeklärten und einwilligungsfähigen Patienten. Ist der Patient nicht einwilligungsfähig und kann eine Entscheidung nicht rechtzeitig durch einen Berechtigten eingeholt werden, kann bei einer unaufschiebbaren Maßnahme nach dem mutmaßlichen Willen des Patienten gehandelt werden. Lehnt ein einwilligungsfähiger Patient eine Maßnahme nach ausreichender Aufklärung wirksam ab, muss diese Entscheidung grundsätzlich respektiert werden.
Host
Wie gehen Sie bei einer Transportverweigerung vor?
Guest
Zunächst prüfe ich, ob der Patient hinsichtlich dieser konkreten Entscheidung einwilligungsfähig ist. Ich informiere verständlich über Befund beziehungsweise Verdachtsdiagnose, die Empfehlung zum Transport sowie mögliche Folgen und Risiken einer Ablehnung. Ich prüfe, ob der Patient diese Informationen verstanden hat und seinen Willen danach bestimmen kann. Die Ablehnung und die erfolgte Aufklärung werden sorgfältig dokumentiert. Je nach Situation können ärztliche Rücksprache, Zeugen oder weitere Maßnahmen sinnvoll beziehungsweise erforderlich sein.
Host
Wann kann bei einem Fehler im Rettungsdienst eine persönliche Haftung des handelnden Notfallsanitäters in Betracht kommen?
Guest
Bei hoheitlicher Tätigkeit richtet sich die Außenhaftung grundsätzlich nach Artikel 34 Grundgesetz in Verbindung mit Paragraph 839 BGB gegen den zuständigen Träger. Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit kann jedoch ein Regress gegen den handelnden Amtsträger in Betracht kommen.
Host
Was bedeutet Garantenstellung?
Guest
Eine Garantenstellung bedeutet eine besondere rechtliche Pflicht, für den Schutz eines bestimmten Rechtsgutes einzustehen. Für Rettungsfachpersonal kann eine solche Einstandspflicht insbesondere durch die Übernahme der Patientenversorgung entstehen. Ein pflichtwidriges Unterlassen kann dann gemäß Paragraph 13 Strafgesetzbuch strafrechtliche Bedeutung haben.
Host
Weiter mit Hygiene und Organisation. Wofür steht TRBA 250?
Guest
TRBA steht für Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe. Die TRBA 250 konkretisiert Arbeitsschutzanforderungen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege. Sie ist deshalb auch für den Rettungsdienst relevant.
Host
Was sind hepatotrope Viren und warum sind sie für den Rettungsdienst relevant?
Guest
Hepatotrope Viren sind Viren, deren wichtiges Zielorgan die Leber ist, insbesondere die Hepatitisviren A bis E. Für den Rettungsdienst sind insbesondere Übertragungswege und Arbeitsschutz relevant. Hepatitis B, C und D können unter anderem über Blut übertragen werden und sind deshalb beispielsweise bei Nadelstichverletzungen von Bedeutung.
Host
Wofür steht SAMPLE?
Guest
S für Symptome. A für Allergien. M für Medikamente. P für Patientenvorgeschichte. L für letzte orale Aufnahme beziehungsweise je nach Schema weitere letzte relevante Ereignisse. E für Ereignisse, die zum Notfall geführt haben. Je nach verwendeter Erweiterung kommt R für Risikofaktoren hinzu.
Host
Erklären Sie das SBAR-Schema.
Guest
S steht für Situation: Was ist aktuell das Problem? B steht für Background: Welche relevanten Hintergrundinformationen gibt es? A steht für Assessment: Wie beurteile ich den Patienten anhand meiner Untersuchung, Vitalparameter und des Verlaufs? R steht für Recommendation: Was empfehle beziehungsweise benötige ich als nächsten Schritt? SBAR ermöglicht eine kurze und strukturierte Übergabe.
Host
Gut, wir nähern uns dem Ende. Was kontrollieren Sie vor und nach der Immobilisation einer verletzten Extremität?
Guest
DMS: Durchblutung, Motorik und Sensibilität. Die Kontrolle erfolgt distal der Verletzung sowohl vor als auch nach der Immobilisation beziehungsweise Schienung und wird dokumentiert.
Host
Nennen Sie drei sichere Frakturzeichen.
Guest
Eine abnorme Fehlstellung, Knochenreiben beziehungsweise Krepitation und sichtbare Knochenfragmente bei einer offenen Fraktur. Auch eine pathologische Beweglichkeit gilt als sicheres Frakturzeichen.
Host
Erklären Sie die Neunerregel nach Wallace beim Erwachsenen.
Guest
Beim Erwachsenen entfallen auf Kopf und Hals neun Prozent, auf jeden Arm neun Prozent, auf den vorderen Rumpf 18 Prozent, auf den hinteren Rumpf 18 Prozent, auf jedes Bein 18 Prozent und auf das Perineum beziehungsweise die Genitalregion ein Prozent der Körperoberfläche. Kleinere Flächen können näherungsweise mit der Handflächenregel abgeschätzt werden. Bei Kindern müssen altersabhängige Körperproportionen berücksichtigt werden.
Host
Wofür kann das SSSS-Schema bei der Annäherung an eine Einsatzstelle genutzt werden?
Guest
Es dient einer strukturierten ersten Lageeinschätzung und soll verhindern, dass ich mich durch den unmittelbaren Patientenfokus zu früh auf Einzelheiten festlege. Ich betrachte die Einsatzstelle, die Sicherheit beziehungsweise mögliche Gefahren, die Gesamtsituation und schließlich die unmittelbare Patientensituation.
Host
Was bedeutet Ten for Ten?
Guest
Ten for Ten bedeutet sinngemäß: zehn Sekunden investieren, um die nächsten zehn Minuten zu planen. Das Team hält kurz inne, stellt ein gemeinsames Lagebild her, benennt Probleme und Prioritäten, verteilt Aufgaben und überprüft den weiteren Plan.
Host
Nennen Sie Vorteile des Crew Resource Managements im Rettungsdienst.
Guest
CRM verbessert Kommunikation und Teamarbeit, fördert ein gemeinsames Situationsbewusstsein, unterstützt eine klare Aufgabenverteilung, hilft bei der Priorisierung, reduziert Fixierungsfehler, fördert gegenseitige Kontrolle und erleichtert das frühzeitige Erkennen und Ansprechen von Problemen. Das übergeordnete Ziel ist eine höhere Patientensicherheit.
Host
Wofür steht die Abkürzung DIVI?
Guest
Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.
Host
Nennen Sie die drei Dimensionen der Triple Bottom Line.
Guest
Ökonomie, Ökologie und Soziales. Also wirtschaftliche, ökologische und soziale Nachhaltigkeit.
Host
Was ist ein Qualitätsindikator?
Guest
Ein Qualitätsindikator ist ein messbares Merkmal, anhand dessen beurteilt werden kann, ob definierte Qualitätsanforderungen beziehungsweise Qualitätsziele erreicht werden. Im Rettungsdienst können damit Struktur-, Prozess- oder Ergebnisqualität beurteilt werden.
Host
Was versteht man unter Tracer-Diagnosen?
Guest
Tracer-Diagnosen sind ausgewählte, qualitätsrelevante Krankheits- oder Verletzungsbilder, anhand derer sich die Qualität von Versorgungsprozessen untersuchen lässt. Typische zeitkritische Beispiele sind Reanimation, Schlaganfall, schweres Trauma oder akutes Koronarsyndrom.
Host
Was versteht man unter Berufsethik?
Guest
Berufsethik beschäftigt sich mit moralischen Werten, Normen und Konflikten innerhalb eines bestimmten Berufsfeldes. Im Rettungsdienst bietet sie Orientierung für verantwortungsvolles professionelles Handeln. Wichtige Werte sind beispielsweise Verantwortungsbewusstsein, Respekt, Verlässlichkeit, Empathie, Teamfähigkeit und die Achtung der Patientenautonomie.
Host
Diskutieren Sie den Grundsatz: Eigenschutz geht vor Fremdschutz.
Guest
Rettungskräfte dürfen sich nicht unvertretbaren Gefahren aussetzen. Wird ein Helfer selbst verletzt, entsteht ein zusätzlicher Patient und die vorhandenen Ressourcen werden weiter gebunden. Deshalb muss zunächst eine ausreichende Sicherheit der Einsatzstelle hergestellt beziehungsweise eine Gefährdung bewertet werden. Gleichzeitig bedeutet Eigenschutz nicht, dass jede theoretische Gefahr zum Nichtstun führt. Risiken müssen erkannt, bewertet und durch geeignete Schutzmaßnahmen soweit wie möglich reduziert werden.
Host
Aber könnte man nicht argumentieren, dass ein zu strikter Eigenschutz dazu führen kann, dass Patienten in Not nicht rechtzeitig geholfen wird? Wo ziehen Sie die Grenze?
Guest
Das ist eine berechtigte Sorge. Die Grenze liegt in der Verhältnismäßigkeit und der Gefahrenbewertung. Eigenschutz bedeutet nicht, jede theoretische Gefahr zum Anlass zu nehmen, nichts zu tun. Es bedeutet, Risiken zu erkennen, zu bewerten und durch geeignete Schutzmaßnahmen so weit wie möglich zu reduzieren. Wenn eine Rettung nur mit unvertretbarem Risiko möglich wäre, muss man abwägen. Aber in den meisten Fällen gibt es Wege, sicher zu helfen, etwa durch Nachforderung, technische Hilfsmittel oder Absicherung.
Host
Das leuchtet ein. Wie richtet ein Notfallsanitäter sein Handeln an rechtlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen aus?
Guest
Rechtlich muss ich innerhalb meiner Kompetenzen, gesetzlichen Vorgaben und medizinischen Standards handeln und insbesondere Patientenrechte beachten. Wirtschaftlich sollen vorhandene Ressourcen sinnvoll und bedarfsgerecht eingesetzt werden, ohne notwendige Patientenversorgung aus Kostengründen zu unterlassen. Ökologisch sollen Material, Energie und andere Ressourcen verantwortungsvoll eingesetzt und Abfälle fachgerecht getrennt beziehungsweise entsorgt werden, soweit Patientensicherheit und Hygiene dies zulassen.
Host
Zum Abschluss: Nennen Sie noch einmal die drei Qualitätsdimensionen.
Guest
Strukturqualität: Was habe ich? Prozessqualität: Wie mache ich es? Ergebnisqualität: Was kommt dabei heraus?
Host
Das war eine sehr gelungene Prüfungsrunde. Vielen Dank für deine ausführlichen und strukturierten Antworten. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der bevorstehenden Prüfung. Ende der Prüfungsrunde.